Das Crossed-Grain-Symbol: Was die durchgestrichene Ähre garantiert
Von Glutenrein · Lesezeit ca. 5 Min.
Dieses kleine Logo mit der durchgestrichenen Ähre begegnet dir auf Reiscrackern, glutenfreien Nudeln und Haferflockentüten — aber was steckt eigentlich dahinter? Und warum macht es einen Unterschied, ob ein Produkt dieses Symbol trägt oder nur den Schriftzug „glutenfrei“?
Was das Crossed-Grain-Symbol ist
Die durchgestrichene Ähre ist keine EU-Behördenerfindung, sondern eine eingetragene Handelsmarke: das Crossed Grain Symbol (CGS), herausgegeben von der AOECS (Association of European Coeliac Societies). In Deutschland vergibt es die Deutsche Zöliakie-Gesellschaft (DZG) in Lizenz — und zwar ausschließlich an Hersteller, die einen definierten Zertifizierungsprozess durchlaufen haben.
Der Grenzwert ist derselbe wie beim gesetzlichen EU-Label: max. 20 mg/kg Gluten (20 ppm). Das entspricht dem, was die EU-Durchführungsverordnung 828/2014 für die Bezeichnung „glutenfrei“ verlangt. Inhaltlich sind beide gleichwertig — der entscheidende Unterschied liegt darin, wer den Nachweis erbringt.
Heute tragen EU-weit über 23.000 Produkte das Crossed-Grain-Symbol (Stand AOECS 2024/2025). Allein in Deutschland nutzen rund 120 Lebensmittelhersteller die DZG-Lizenz.
Der Unterschied zur bloßen „glutenfrei“-Aufschrift
Das gesetzliche Label „glutenfrei“ auf der Packung ist keine Lüge — aber es ist eine Herstellerselbstauskunft. Die EU-Verordnung verpflichtet Hersteller, den 20-ppm-Grenzwert einzuhalten. Wie sie das sicherstellen, ob und wann sie Laboranalysen durchführen, bleibt ihnen überlassen. Die Kontrolle erfolgt nachgelagert durch staatliche Marktüberwachungsbehörden.
Das Crossed-Grain-Symbol verlangt mehr — und zwar vor dem Verkauf:
- Akkreditierte Laboranalyse (ELISA R5-Methode, max. 3 Monate alt) mit Nachweis ≤ 20 ppm
- Jährliches externes Produktionsaudit (z. B. nach BRCGS, IFS oder FSSC 22000)
- HACCP-Nachweis für die glutenfreie Produktionslinie
- Schriftliche Reinigungspläne und Schulungsnachweise für Mitarbeitende
Diese Anforderungen gelten nach dem AOECS Standard Version 3, der seit dem 1. Januar 2023 verbindlich ist. Wer das Symbol nutzt, muss also jedes Jahr von neuem nachweisen, dass die Produktionsbedingungen stimmen — nicht nur einmal beim ersten Antrag.
Das ist der Kern des Unterschieds: CGS = unabhängig verifiziert und jährlich erneuert. EU-Label „glutenfrei“ = hersteller-deklariert.
Wie das Lizenzsystem funktioniert
Das Crossed-Grain-Symbol ist keine offene Kennzeichnung, die jeder Hersteller einfach drucken kann. Es ist eine lizenzpflichtige Handelsmarke. In jedem EU-Land vergibt die jeweilige nationale Zöliakie-Gesellschaft die Lizenzen — in Deutschland ist das die DZG, in Österreich die ÖZG, in Frankreich die AFDIAG.
Jeder Lizenzträger erhält eine eindeutige Lizenznummer, die auf der Verpackung erscheint oder beim jeweiligen nationalen Verband abgerufen werden kann. Das macht fälschliche Nutzung überprüfbar.
Wichtig zu wissen: Das Symbol gilt nur für verarbeitete Mehrkomponentenprodukte — frisches Obst oder rohes Gemüse können nicht zertifiziert werden, weil dort kein sinnvolles Kontaminationsrisiko zu kontrollieren ist. Buchweizenmehl oder Fruchtriegeln hingegen schon, da sie in Produktionsketten mit möglicher Kontaminationsgefahr entstehen.
Was „sehr geringer Glutengehalt“ bedeutet — und warum du es meiden solltest
Neben „glutenfrei“ (max. 20 ppm) gibt es eine zweite gesetzliche Bezeichnung: „sehr geringer Glutengehalt“ — das bedeutet max. 100 ppm. Dieser Hinweis ist ausschließlich für speziell verarbeitete Produkte aus Weizen, Roggen, Gerste oder Hafer erlaubt, bei denen der Glutengehalt gezielt reduziert wurde.
Für Zöliakie-Betroffene ist diese Kategorie in der Regel nicht ausreichend sicher. Klinische Daten zeigen, dass die Mehrzahl der Betroffenen bei 100 ppm bereits Schleimhautschäden erleiden kann. Das Crossed-Grain-Symbol wird für solche Produkte nicht vergeben — es gilt ausschließlich für den 20-ppm-Grenzwert.
Siehst du auf einer Verpackung Begriffe wie „sehr glutenarm“, „fast glutenfrei“ oder „kaum Gluten“ — das sind keine gesetzlich definierten Bezeichnungen. Verlässliche Orientierung geben nur die exakten Formulierungen aus der EU-Verordnung.
Gilt das Symbol auch im Ausland?
Ja — zumindest innerhalb Europas und darüber hinaus. Das Crossed-Grain-Symbol wird von Zöliakie-Gesellschaften in über 40 Ländern vergeben und ist international das bekannteste Zertifizierungszeichen für glutenfreie Lebensmittel. In Großbritannien gilt dieselbe 20-ppm-Grenze wie in der EU, das Symbol wird dort von Coeliac UK vergeben.
Außerhalb Europas gelten andere Standards: In den USA zertifiziert das GFCO bei 10 ppm, in Australien und Neuseeland ist kein nachweisbares Gluten (~3–5 ppm) vorgeschrieben — die strengste Regelung weltweit. Wer also ein australisches Produkt mit CGS-ähnlichem Label kauft, bekommt möglicherweise noch strengere Kontrollen als in der EU. Beim Einkaufen in anderen Ländern lohnt es sich, kurz zu prüfen, welcher Standard hinter dem jeweiligen Symbol steckt.
Worauf du beim Einkauf achten kannst
Das Crossed-Grain-Symbol ist für Zöliakie-Betroffene das verlässlichste Zeichen beim Lebensmittelkauf — weil es eine unabhängige Prüfung vor dem Verkauf dokumentiert. Das gesetzliche EU-Label „glutenfrei“ ist bei etablierten Herstellern ebenfalls vertrauenswürdig, hängt aber stärker von der internen Qualitätssicherung des jeweiligen Unternehmens ab.
Was auf keinen Fall Rückschlüsse auf die Glutenfreiheit zulässt: Begriffe wie „Bio“, „pur“, „natürlich“ oder „aus kontrolliertem Anbau“. Diese Kennzeichnungen sagen nichts über den Glutengehalt aus.
Wenn du dir unsicher bist, wo in deiner Küche versteckte Glutenquellen lauern — auch dort, wo du sie nicht vermuten würdest — lohnt sich ein genauer Blick.
Fazit
Das Crossed-Grain-Symbol steht für dasselbe, was das EU-Label „glutenfrei“ verspricht — nämlich max. 20 ppm Gluten — aber mit einem entscheidenden Plus: Die Einhaltung wird durch akkreditierte Labore und jährliche externe Audits unabhängig geprüft, nicht nur vom Hersteller selbst erklärt. Für eine sichere Küche bei Zöliakie ist das ein relevanter Unterschied, besonders bei Produkten mit komplexen Zutaten oder geteilten Produktionslinien. Die gleiche Sorgfalt, die beim Einkauf gilt, lohnt sich auch beim Blick auf deine Küchenausstattung — denn Kreuzkontaminationen passieren nicht nur in der Fabrik, sondern auch zuhause.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische Beratung. Bei Verdacht auf Zöliakie oder Fragen zur Ernährungstherapie wende dich an eine Ärztin oder einen Arzt sowie eine qualifizierte Ernährungsfachkraft.
Glutenrein — Das Glutenrein-Team